Die Malerei beobachtet Lichtspuren, die sich über Glas, über seine Bruchkanten bewegen und oft nur einen Augenblick sichtbar sind.

Glas ist in seiner Klarheit und Transparenz durchlässig für das Außen. Traditionell war es in der Kunstgeschichte häufig die unmittelbare Umgebung, die sich in ihm spiegelte. Realität wird in den vorliegenden Arbeiten nicht in dieser Weise eingefangen. Das Gefäß oder seine Scherben interessieren als Träger des Lichts oder seiner Brechungen. Das Lichtspiel, das in den Flächen, Kanten oder in den Einkerbungen der Schnittfläche geschieht, wird durch extreme Ausschnittsvergrößerungen, Spiegelungen und das Herausarbeiten angedeuteter Farbspuren sichtbar gemacht. Die feinen, beinahe verschwindenden Linien des Lichts, seine Reflexe und die Spuren, die es in der Spiegelebene hinterlässt, werden "realer " als der Bildgegenstand. Die Flüchtigkeit und Bewegtheit der relativ kleinen Lichtreflexe, veränderlich nicht nur im Lauf des Tages, sondern auch mit jeder Körperbewegung beim Malprozess, sind Herausforderung, führen aber auch immer wieder an Grenzpunkte, an denen Malerei kaum noch möglich ist.

Das Öl, in den Jahren 2004 bis 2008 reduziert auf Mischungen von Blau, Orange und Weiß, wird in feinen Schichten auf die Leinwand aufgetragen bis sich aus dem Zusammenwirken der Nachbarfarben minimale farbliche Differenzierungen entwickeln. So wie sich Licht und Schatten im Lauf des Tages verändern, wechseln die Grau-Blau-Abstufungen und erzeugen unterschiedliche Nuancen. Die glatte Oberfläche der Malerei lässt das Glas, von dem sie ausging, erinnern.

In der Serie "Schattengrenze " aus den Jahren 2004/2005 spielt Licht sich in dunkle Bereiche hinein, durchbricht diese filigran oder löst sie auf. Helles und Dunkles kann hart nebeneinander liegen und scharfe Konturen oder spannungsvolle Grenzen erzeugen; Licht und Schatten können sich aber auch durchdringen, sich gegenseitig auflösen, in einander fließen oder aufbrechen. Die Bildkomposition beruht auf wenigen Elementen, Flächensegmenten und Linienführungen, die eine Dynamik erhalten, indem sie sich in unterschiedlichen Richtungen aus dem Bild herausbewegen. Abstrakte, monochrom blau-graue Landschaften aus Eis lassen sich assoziieren. Brüche, Grenzsituationen klingen in den einzelnen Bildern an und auch in ihrem Zusammentreffen.

In den Arbeiten "Ohne Titel " von 2006/2007 und 2007/2008 durchschneiden harte, schräge Linien die Leinwand. In hellem oder gebrochenem Weiß fließen sie über einen dunklen Grund, fächern ihn in nuancierte Farbtöne auf. Sanfte Übergänge und Schwünge formieren sich zwischen ihnen und lassen weiche Bewegungen entstehen. Über die Bildfläche hinaus gesehen können sich die Lichtstrahlen im Unendlichen treffen. Beinahe rhythmisch wechseln sie zwischen Hell und Dunkel. Transparente Schleier oder Folien scheinen sich zwischen den Linien aufzuspannen.

Petra Frey, Katalog "Gabriele-Münter-Preis 2010 "



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