Was geschieht, wenn Licht in einem nahezu dunklen Raum auf Glas trifft? - Die Malerei nähert sich dieser Frage seit 2009.

Im Grenzbereich der Dämmerung werden Momente beobachtet, in denen der Gegenstand aus Glas oder seine Bruchstücke kaum noch wahrnehmbar sind, während Lichtreflexionen auf ihm, beinahe losgelöst von ihm, ein Eigenleben zu führen scheinen. Bei der Betrachtung des im Halbdunkel ungewiss werdenden Objekts scheint die Malerei in andere Bereiche außerhalb des Glases zu geraten, in andere Realitäten zu gleiten. Sie arbeitet mit einer Wahrnehmung, die sich selbst immer wieder unterläuft, indem sie auf andere Sichtweisen anspielt. Die Malerei tastet sich heran an Spuren von Licht, die sich in der Dunkelheit im Glas fangen, erspürt Momente, in denen es kontrastierend auf das umgebende Schwarz trifft, sich verliert oder verschwimmt. Sie thematisiert einen Grenzbereich, in dem das reale Motiv der Wahrnehmung entgleitet, unscharf wird. Das Glas in seiner Materialität scheint zu verschwinden und einem immateriellen Lichtspiel Raum zu geben, das sich von ihm trennt und verselbständigt.

Im Prozess der Malerei werden erste visuelle Eindrücke jetzt zunächst fotografisch eingefangen. Diese Notizen sind Annäherungen an Gebilde mit eigenen Strukturen und Formen, die so in der Realität nicht vorhanden sind und sich allenfalls erahnen lassen. Beim Blick in den Splitter, in seine Spiegelungen arbeitet sie sich mit ihren Mitteln der Betonung und Herausarbeitung von Bildelementen gleichsam in andere Bereiche hinein. Sie gestaltet sich als ein Weg der Bildfindung, in welcher die Leinwand während des Arbeitsprozesses mehrfach gedreht wird, ihr so mehrere Perspektiven eingeschrieben werden. Die Malerei als Prozess scheint vor ihrem Motiv autonom zu werden und zeigt doch gleichzeitig fließendes Licht, das an das langsame Fließen beim Entstehen von Glas erinnert.

Im Triptychon der Installation von 2012 thematisiert die Malerei das fast schmerzliche Aufeinandertreffen von Hell und Dunkel, die Dramatik des Vergehens. Licht und Schatten fächern sich auf, reißen und formieren sich in den Arbeiten von 2013/2014 zu filigranen Gespinsten; scheinen in den aktuellen Bildern beinahe Gewebe zu sein, durch deren dunkle skelettähnliche Bänder Helligkeit fließt.

Das dramatische Licht-Schatten-Spiel lässt innere Glasbilder in den Betrachtenden entstehen, die Fragilität, Zerbrechlichkeit und Vergänglichkeit thematisieren und gleichzeitig Räume voll Geheimnis eröffnen.

Petra Frey 2015



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